Zweite Chance

Hallo, Welt !

Da bin ich wieder. Es hat ne ganze Weile gedauert, bis ich wieder hier hin gefunden habe, aber es ist ja auch einiges passiert.
Eigentlich wollte ich hier die Tagebucheinträge aus dem krankenhaus/der Reha einfügen..aber ich habe es mir anders überlegt. nur eine kurze Zusammenfassung, denn es ist vorbei.
Ich habe einen zweiten Geburtstag, eine zweite Chance, die Krankheit ist zwar noch lang nicht vergessen, aber sie steht nicht mehr im Vordergrund.

„Weh tut es ja immer noch, das ist nicht zu leugnen. Aber so soll es denn in Gottes Namen weh tun; ich überlasse die Krankheit sich selber, ich bin nicht dazu da, ihr den ganzen Tag den Hof zu machen.“
(- Hermann Hesse, Kurgast) 

Ich bin am 18.7. in die Uniklinik Köln zurück, am 19. wurde ich operiert.  4 Stunden, 68 Minuten davon runtergekühlt und „tot“, abgeschaltet, wie auch immer man es nennen soll.  Alles komplikationslos.
Am Tag darauf wurde ich geweckt. Meine erste Erinnerung ist an das Ziehen von Tubus und Magensonde- und einen Kommentar von dem anwesenden Arzt und, dass ich ihm was passendes darauf sagen wollte, aber nicht konnte, weil ich keine Stimme hatte (die ist bis heut noch nicht wieder ganz in Ordnung).
Die ersten Tage auf der Intensiv sind ziemlich verschwommen, teils ganz weg. Ich erinnere mich noch an Aletebrei, Suppen im Schnabelbecher und endlos viele Ärzte, die mir mitteilten wenn meine Eltern sich gemeldet hatten und, dass sie überrascht seien wie gut alles gelaufen ist und wie gut es mir eigentlich geht trotz der Umstände.
Erstes hinsetzen, tausend Kabel und Schläuche. Das Drainageziehen war mörderisch (zwei Schläuche im Oberbauch festgenäht, die auch gleichzeitig gezogen worden sind.. aua). Dann auf die normale Station,  3 Tage lang ging es mir dann richtig mies, ich behielt nichts drin und hatte tierische Schmerzen, weil ich keine Medikamente mehr vertrug- gerade die Schmerzmittel. ich war noch nie so dankbar für (ekeligen) Kamilletee. Aber danach ging es fix wieder aufwärts.
Ich hatte zwar MRSA, aber das war in dem Fall gar nicht sooo schlecht-Einzelzimmer.  Wenn ich mit der Therapeutin raus bin, allerdings nur vermummt. Ich erinnere mich glasklar an die ersten Atemzüge draußen an der frischen Luft, die ersten vorsichtigen Gänge, wacklig und anstrengend, aber ohne Atemnot. Es fühlte sich sooooo gut an.
Insgesamt 4 Wochen war ich drin, dann ging es einen Tag nach Hause und dann zur Reha -Klinik am Park in Bad Sassendorf.
Da war es vom Ort her wunderschön, wie ein Hotel, mit riesigem Kurpark direkt dran- ich kann/konnte zwar noch nicht sooo viel laufen aber das gemütliche schlendern an der frischen Luft war wirklich Balsam für die Seele.
Ich hab mich über jeden Baum, jede Blume -und jedes Tier- tierisch gefreut und alles mit etwas anderen Augen gesehen.
Leider gab es dort nur ältere Leute, die auch eher einen Bogen um mich gemacht haben, als wär ich bissig- wobei ich bei meinen Tischnachbarn echt Glück hatte.. war ein lustiger Haufen, das Personal ebenfalls.
Die drei Wochen gingen dank der Anwendungen und wochenendbesuchen meiner Eltern schnell rum.
Mein Körper fing dort wieder richtig an zu arbeiten und ich merkte erstmal wie weit unten ich wirklich war. Obwohl ich gut gegessen habe – und es ständig süßkram gab O,o (Kuchen, Schoki,Eis..und das Mittagessen war ein 3Gänge-Menü!), habe ich dort 2,5 kg abgenommen. Schlicht dadurch, dass mein Körper wieder mehr verbrennt, weil er  ziemlich viel reparieren muss..dazu dann die regelmäßige Bewegung.. tja 🙂
Und nun bin ich Zuhause seit dem 8.9.  und einfach nur happy, dass ich die OP hab machen lassen. Sicher 100 prozentig werd ich nciht mehr, aber ich kann trotzdem wieder einigermaßen normal leben. Ich halte mich brav an alle Einschränkungen, Medikamente und bewege mich täglich, mache sogar die Gymnastikübungen zwischendurch immer mal wieder- das geht sogar vor dem PC 😉
Ich habe dank des krank seins gelernt alles zu schätzen und sei es noch so alltäglich.
Auch meinen Körper sehe ich mit anderen Augen.  Wenn ich überlege, was unsere Körper alles aushalten müssen, nur damit man dann auch noch an sich selbst herummäkelt und sich unter Umständen noch mehr Strapazen aussetzt ohne auf die Bedürfnisse des Körpers zu achten.. nun ja.. ICH habe aus meinen Fehlern gelernt.
Ich freue mich jeden Tag aufs Neue. Ich gehe immer die selbe Strecke und merke immer wieder „hey, du konntest 10 schritte weiter gehen als letztes Mal, bis du ne pause brauchtest!“  Und ich bin stolz auf mich.
Auch in der Wohnung merke ich es. Ich mache Hausarbeit wieder gern. Vieles fällt schwer und ich schaff nicht viel auf einmal- aber ich schaffe es!
Ich habe auch endlich meinen Schrank aussortiert und viele Klamotten weggetan. Einige viiiiiel zu kleine, in die ich selbst nach Abnahme wohl eher nicht passen werde und die, die mir zu groß geworden sind und vielleicht noch `nem anderen Moppel Übergangs-Hilfe leisten. Denn ich finde Kleidung ist teuer während des abnehmens.. man trägt sie ein paar wochen und braucht schon wieder neue.
Und wenn sie bei mir weg sind DARF ich auch auch nicht mehr zunehmen..sonst muss ich nackt losziehen :DAbnehmtechnisch werde ich nun Montag wieder anfangen. Gesunde Ernährung und 1-2 Mal am Tag eine Mahlzeit gegen einen Eiweissshake austauschen.
Allerdings habe ich bemerkt, dass ich am besten klar komme mit einem festen Plan- den werde ich mir bis Montag dementsprechend auch erstellen.
Ich werde die Zeit, die ich noch krankgeschrieben sein werde defintiv nutzen.
Meine Wohnung fertig einrichten (Küche ist ja leider Müll, Kühl/Gefrierschrank brauch ich wohl doch neu, die Wandbilder  hab ich nie gemalt), Sport treiben und vor allem alle möglichen Beratungen zum Thema Berufsorientierung mitnehmen.. ich weiss nämlich immer noch nicht wohin mit mir, da alles körperliche wegfällt :/
Aber das wird, Priorität hat das Auf-die-Beine-Kommen.
Soweit von mir.

Dreaming away
HerzVersargt

ps: hier noch ein paar Bilder von der Reha 🙂 – und 2 aktuelle von mirhttp://imageshack.us/g/824/20110818160145.jpg/
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~ von herzversargt - 23/09/2011.

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